Raum für das Tabuthema Tod

Dr. Joachim Scherrieble und Stefanie Schuh stellten das Programm "Zehn Lichter zu zehn Jahren" vor. Foto: Melanie Specht
Dr. Joachim Scherrieble und Stefanie Schuh stellten das Programm "Zehn Lichter zu zehn Jahren" vor. Foto: Melanie Specht

Dr. Joachim Scherrieble kann sich noch gut an die Anfänge des Hospizvereins Helmstedt erinnern. Damals hätten die haupt- und ehrenamtlichen Mitglieder an einem Stand in der Neumärker versucht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Das Interesse sei auch groß gewesen, „viele kamen und fragten, was für ein Verein wir sind.“ Doch kaum sei das Wort „Tod“ gefallen, wären die meisten erschrocken zurückgezuckt.

Tod und Sterben – in der Öffentlichkeit damals ein absolutes Tabuthema. Zehn Jahre später wird der Verein am 28. Mai erneut in der Helmstedter Fußgängerzone stehen und über das Thema „Sterben, Tod & Trauer“ sowie über die vielfältigen Angebote des Hospizvereins in den schweren Stunden des Lebens informieren. Dann werde sich zeigen, ob das Thema trotz der öffentlich geführten Diskussion um Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und die Grenzen der Sterbehilfe gesellschaftlich noch immer weit im Abseits steht.

 

Und der Infostand wird nicht der einzige Versuch des Vereins sein, dem Tabuthema „Tod“ Raum zu geben. „10 Lichter zu 10 Jahren Hospizarbeit“ – zehn Aktionen, die das Sterben, den Tod sowie die Trauer ganz unterschiedlich beleuchten werden. So wird am 27. August im Kaiserdom mit Landesbischof Dr. Christoph Meyns ein Festgottesdienst gefeiert, an vier Terminen unterschiedliche Friedhöfe besucht und deren Friedhofskultur diskutiert oder eine Trauerwanderung unternommen. Darüber hinaus soll sich ein ganzer Poetry Slam unter der Regie von Dominik Bartels am 8. Oktober des Themenkomplexes annehmen.

 

Jugendliche erhalten zudem die Möglichkeit, unter Anleitung einer Filmpädagogin einen eigenen Kurzfilm zum Arbeitstitel „Sterben, Tod und Trauer BEGLEITEN“ zu kreieren, „denn ,Begleiten‘ umfasst die gesamte Arbeit unseres Vereins“, so Scherrieble, der zudem noch auf ein besonderes Buch hinweisen möchte: „10 Blickwinkel auf 10 Jahre Hospizarbeit“, das nicht nur das Wirken der Hospizarbeit beschreibt, sondern zudem Ängste und Tabus anspricht. Denn es sei unter anderem die Angst vor dem Tod, die viele daran hindere, sich dem Thema zu nähern.

Sich dem Gedanken der eigenen Sterblichkeit zu stellen, könnte jedoch auch ein Gewinn sein, die Chance, intensiver und bewusster zu leben und statt stets zu sagen „Wenn, dann...“, es dann auch einfach zu tun.

Quelle: www.helmstedter-nachrichten.de (18.05.2016)